Gesundheit beginnt für mich damit, ein Wesen zu verstehen
Warum Krankheit für mich nicht mit der Diagnose beginnt...
Wann beginnt Krankheit eigentlich?
Für mich nicht erst mit einer Diagnose - ich glaube, sie beginnt oft viel früher.
Vielleicht in dem Moment, in dem ein Mensch merkt, dass er nicht mehr richtig in seiner Kraft ist. Vielleicht schläft er schlechter, fühlt sich schneller erschöpft, entwickelt immer wieder Haut- oder Verdauungsprobleme oder spürt einfach, dass sich etwas verändert hat.
Noch bevor eine Diagnose gestellt wird, zeigt der Organismus häufig längst, dass etwas nicht mehr in seiner Ordnung ist.
Bei einem Tier erleben wir etwas ganz Ähnliches.
Vielleicht entwickelt es immer wieder Hautprobleme, Verdauungsbeschwerden oder Entzündungen, zeigt Veränderungen im Verhalten oder zieht sich mehr und mehr zurück. Auch hier macht der Organismus oft schon lange auf sich aufmerksam, bevor eine Erkrankung einen Namen bekommt.
Ganz gleich, ob Mensch oder Tier – meist beginnt nun die Suche nach einer Ursache.
Beim Menschen richtet sich der Blick häufig auf Stress, Ernährung, Hormone oder Umweltbelastungen. Beim Tier werden Futter, Allergien oder andere äußere Einflüsse hinterfragt.
All das kann eine Rolle spielen. Und dennoch hatte ich in den letzten Jahren immer häufiger das Gefühl, dass diese Antworten allein nicht ausreichen.
Genau an diesem Punkt begann sich mein Blick auf Gesundheit langsam zu verändern.
Am Anfang stand für mich eine ganz bestimmte Frage:
Warum entwickeln Menschen und Tiere chronische Erkrankungen? Und warum reagiert jeder Organismus so unterschiedlich auf Belastung?
Bevor ich verstehen kann, warum ein Organismus erkrankt, muss ich zunächst das Wesen verstehen, das ich vor mir habe.
Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto deutlicher wurde mir, dass chronische Erkrankungen selten nur eine einzige Ursache haben. Mich begann vielmehr die Geschichte zu interessieren, die einer Erkrankung vorausgegangen ist.
Bevor ich verstehen kann, warum ein Organismus erkrankt, muss ich zunächst das Wesen verstehen, das ich vor mir habe.
Was verstehe ich unter dem Wesen eines Menschen oder eines Tieres?
Wenn ich von einem Wesen spreche, meine ich nicht nur den Körper und auch nicht nur das, was wir von außen sehen. Für mich ist das Wesen die Gesamtheit dessen, was einen Menschen oder ein Tier ausmacht.
Dazu gehören die Individualität, das Nervensystem, der Stoffwechsel, der Lebensrhythmus, die Regulationsfähigkeit, die Konstitution, aber auch die Potenziale, die Fähigkeiten und die Art, wie jeder Mensch und jedes Tier der Welt begegnet.
Genau deshalb kann es aus meiner Sicht keine Therapie geben, die für jeden Menschen und jedes Tier gleichermaßen passt. Was den einen Organismus unterstützt und ihm guttut, muss deshalb nicht automatisch auch einem anderen Organismus helfen.
Nicht weil eine Therapie grundsätzlich gut oder schlecht ist, sondern weil jedes Wesen andere Voraussetzungen, andere Ressourcen und eine ganz eigene Art mitbringt, Belastungen zu verarbeiten.
Deshalb beginnt meine Arbeit nicht mit der Frage, welche Therapie ich anwenden möchte.
Sie beginnt damit, das Wesen zu verstehen, das ich vor mir habe.
Ich möchte verstehen, wie dieses Wesen der Welt begegnet, wie es Belastungen verarbeitet, welche Stärken es mitbringt, wo seine natürlichen Grenzen liegen und was es braucht, um möglichst lange in seiner eigenen Ordnung leben zu können.
Zu diesem Gesamtbild gehören für mich nicht nur meine Beobachtungen, sondern auch die Eindrücke aus einem ausführlichen Gespräch, einem Anamnesebogen sowie Fotos und Videos.
Jeder dieser Blickwinkel beantwortet eine andere Frage. Keiner allein beschreibt das ganze Wesen. Erst ihr Zusammenspiel lässt nach und nach ein möglichst stimmiges Gesamtbild entstehen.
Genauso wichtig sind für mich meine eigenen Beobachtungen. Wie zeigt sich dieses Wesen? Wie wirkt es auf mich? Welche Spannung oder Ruhe nehme ich wahr? Was erzählen mir Blick, Bewegung, Körperhaltung sowie Haut, Haare oder Fell?
Viele dieser Eindrücke lassen sich nicht sofort erklären. Sie entstehen aus langjähriger Erfahrung und fließen in das Gesamtbild ein.
Dieses Gesamtbild wird jedoch immer auch davon geprägt, welche Informationen ich erhalte. Ich kann nur mit dem arbeiten, was ich beobachten kann und was Menschen mir über sich selbst oder über ihr Tier erzählen.
Die Menschen leben jeden Tag mit ihrem Tier. Ich begleite sie nur einen kleinen Abschnitt dieses Weges. Deshalb sind ihre Beobachtungen für mich genauso wertvoll wie meine eigenen.
Was verstehe ich unter dem Wesen eines Menschen oder eines Tieres?
Wenn ich von einem Wesen spreche, meine ich nicht nur den Körper und auch nicht nur das, was wir von außen sehen.
Für mich ist das Wesen die Gesamtheit dessen, was einen Menschen oder ein Tier ausmacht.
Dazu gehören die Individualität, das Nervensystem, der Stoffwechsel, der Lebensrhythmus, die Regulationsfähigkeit, die Konstitution, aber auch die Potenziale, die Fähigkeiten und die Art, wie jeder Mensch und jedes Tier der Welt begegnet.
Genau deshalb kann es aus meiner Sicht keine Therapie geben, die für jeden Menschen und jedes Tier gleichermaßen passt. Was den einen Organismus unterstützt und ihm guttut, muss deshalb nicht automatisch auch einem anderen Organismus helfen. Nicht weil eine Therapie gut oder schlecht ist, sondern weil jedes Wesen andere Voraussetzungen, andere Ressourcen und eine ganz eigene Art mitbringt, Belastungen zu verarbeiten.
Die Geschichte hinter den Beschwerden
Die meisten Menschen finden ihren Weg zu mir, wenn sie selbst oder ihr Tier spüren, dass etwas nicht mehr stimmt und sie die Zusammenhänge verstehen möchten.
Mich interessiert dabei nicht nur, welche Erkrankung oder welche Beschwerden gerade sichtbar geworden sind. Mich interessiert die Geschichte, die dieses Wesen bis zu diesem Zeitpunkt gelebt hat.
Wie viel Belastung hat es über einen längeren Zeitraum getragen? Welche Bedürfnisse konnten gelebt werden und welche vielleicht nicht? Welche Rolle spielen Beziehungen, Verantwortung, Alltag und Umfeld?
Denn jedes Wesen bringt seine eigene Geschichte mit.
Mich interessiert, wie Ernährung, Stoffwechsel, Nervensystem, Lebensrhythmus, Beziehungen, Umwelt und viele weitere Einflüsse ineinandergreifen und welche Geschichte sie gemeinsam erzählen.
Denn genau in diesen Zusammenhängen finde ich oft Antworten, die sich weder aus einer einzelnen Diagnose noch aus einer einzelnen Therapie ergeben würden.
Deshalb frage ich mich nicht als Erstes, welche Erkrankung dieser Mensch oder dieses Tier hat.
Was braucht dieses Wesen, damit es wieder in seine eigene Ordnung zurückfinden kann?
Was Eloi mich über Gesundheit gelehrt hat
Diese Haltung ist nicht von heute auf morgen entstanden. Sie ist über viele Jahre gewachsen – durch Beobachtungen, Erfahrungen, Fragen und vor allem durch die Tiere, die mich begleitet haben.
Ganz besonders geprägt wurde dieser Weg durch meinen Hund Eloi, der meinen Blick auf Gesundheit grundlegend verändert hat.
Eloi war für mich weit mehr als nur mein Hund. Er war viele Jahre mein täglicher Begleiter und rückblickend auch derjenige, der mir gezeigt hat, dass ich manches zwar bereits sehen konnte, aber noch nicht als Teil eines größeren Ganzen verstanden hatte.
Damals war ich überzeugt, dass ich bereits ganzheitlich dachte und handelte. Ich achtete auf eine gute Ernährung, bekochte meine Hunde, ergänzte gezielt Mikronährstoffe, behandelte osteopathisch und versuchte, jedem Hund gerecht zu werden.
Und trotzdem sollte mir Eloi zeigen, dass es noch eine tiefere Ebene gibt.
Schon lange bevor Eloi seine Diagnose erhielt, nahm ich Veränderungen wahr, die ich damals jedoch noch nicht in ihrem größeren Zusammenhang einordnen konnte.
Eloi zeigte über viele Jahre immer wieder dieselben Spannungsmuster, besonders im Übergang der Brust- zur Lendenwirbelsäule. Ich behandelte ihn dort immer wieder osteopathisch oder ließ ihn auch von anderen Therapeuten behandeln.
Damals betrachtete ich diese Spannungen vor allem als ein lokales Problem und fragte mich, wie ich sie möglichst gut lösen konnte.
Heute würde ich mir zusätzlich die Frage stellen, warum sein Organismus immer wieder genau diese Form der Kompensation gewählt hat.
Unter Kompensation verstehe ich die Fähigkeit des Organismus, Belastungen auszugleichen und seine Funktionen so lange wie möglich aufrechtzuerhalten – auch wenn dafür andere Bereiche des Körpers dauerhaft mehr leisten oder Spannungen übernehmen müssen.
Heute glaube ich, dass diese Spannungen nicht das eigentliche Problem waren, sondern Ausdruck dessen, wie sein Organismus über lange Zeit versucht hat, mit seinen Belastungen umzugehen.
Irgendwann bemerkte ich an genau dieser Stelle eine kleine Erhebung, die ich zunächst überhaupt nicht einordnen konnte. Ich wusste nur, dass sich dort etwas verändert hatte.
Dann kam der Tag, an dem er während eines Spaziergangs plötzlich zusammenbrach. Wenig später erhielten wir die Diagnose: Insulinom.
Mit der Diagnose begann für mich deshalb nicht das Verstehen. Sie führte vielmehr dazu, dass ich vieles, was ich vorher beobachtet hatte, noch einmal mit anderen Augen betrachtete.
In der folgenden Zeit durfte ich Eloi noch etwa anderthalb Jahre begleiten.
Mit der Zeit wurde mir immer deutlicher, dass Eloi mir nicht nur etwas über seine Erkrankung zeigte. Er zeigte mir auch, wie lange ein Organismus Belastungen tragen und ausgleichen kann, bevor er irgendwann an seine Grenzen kommt.
Und je mehr ich darüber nachdachte, desto häufiger fragte ich mich, ob das nicht auch für uns Menschen gilt.
Irgendwann wurde mir klar, dass Eloi mich nicht nur gelehrt hat, seinen Organismus besser zu verstehen. Er hat mir auch gezeigt, wie ich selbst gelebt habe.
Ich begann zu erkennen, wie oft ich über viele Jahre meine eigenen Grenzen übergangen hatte, wie selbstverständlich ich immer weitergemacht hatte und wie sehr ich meine Kraft im Außen eingesetzt hatte, ohne mich wirklich zu fragen, was ich selbst eigentlich brauche.
Je mehr ich mich selbst beobachtete, desto häufiger stellte ich fest, dass wir Menschen oft ganz ähnlich funktionieren wie unsere Tiere. Wir gehen über unsere Grenzen hinweg, passen uns an, kompensieren, funktionieren weiter und nehmen vieles erst dann wahr, wenn der Organismus nicht mehr in der Lage ist, diese Belastungen auszugleichen.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum wir Beschwerden oft als etwas betrachten, das plötzlich entsteht.
Aus meiner heutigen Sicht entsteht jedoch vieles über einen längeren Zeitraum – oft leise, oft unbemerkt und häufig lange bevor wir überhaupt wahrnehmen, dass sich etwas verändert.
Was ich heute unter Kompensation verstehe
Genau deshalb suche ich heute nicht mehr nur nach einer einzelnen Ursache.
Mich interessiert vielmehr, welche Belastungen über einen längeren Zeitraum auf einen Organismus eingewirkt haben, wie er versucht hat, damit umzugehen und an welcher Stelle er begonnen hat zu kompensieren.
Für mich ist Kompensation deshalb kein Fehler des Organismus, sondern eine Regulationsstrategie, die dem Menschen oder Tier ermöglicht, trotz Belastungen möglichst lange im Gleichgewicht zu bleiben.
Das Warum eines Geschehens lässt sich vielleicht nicht immer vollständig erkennen.
Doch genau diese Frage begleitet mich bei jeder Begegnung mit einem Menschen oder einem Tier. Sie erinnert mich immer wieder daran, das Wesen nicht auf seine Beschwerden zu reduzieren, sondern nach den Zusammenhängen zu suchen, die dahinterliegen.
Genau das ist auch der Grund, warum sich meine Arbeit im Laufe der Jahre immer weiter verändert hat.
Denn je länger ich diesen Weg gehe, desto deutlicher wird mir, dass jede Antwort neue Fragen mit sich bringt.
Heute weiß ich vor allem eines:
Je mehr ich über Gesundheit lerne, desto weniger lässt sie sich für mich auf einfache Erklärungen reduzieren.
Und genau deshalb ist jede Begleitung für mich so individuell wie das Wesen selbst.
Für mich beginnt genau dort eine andere Art, auf Gesundheit zu schauen.
Vielleicht geht es deshalb nicht immer zuerst darum, möglichst schnell eine Antwort zu finden, sondern zunächst die richtigen Fragen zu stellen.
Genau dort beginnt meine Arbeit.